Grundschule Straßkirchen

Impressionen


 

 

Aktuelles

82 Schüler besuchen im Schuljahr 2011/2012 die Grundschule Straßkirchen. Sie werden in 4 Klassen unterrichtet.

 

Historisches

In Straßkirchen wurden sicher schon gut 100 Jahre vor Einführung der Schulpflicht die Kinder im Lesen, Schreiben, Rechnen sowie in der Kenntnis der Bibel und des Katechismus unterrichtet. Dies geschah freilich unter einfachsten Verhältnissen, auch dann noch, als die allgemeine Schulpflicht im Jahre 1802 eingeführt worden war. Das Schulhaus war zugleich Meßnerhaus und damit Eigentum der Schulgemeinde und der Pfarrkirchenstiftung, welchen die Bau- und Unterhaltspflicht je zur Hälfte oblag.

Bis zum Herbst 1910 besuchten auch die Schüler der Gemeinde Salzweg die Schule der damals noch selbständigen Gemeinde Straßkirchen. Um die Jahrhundertwende wurde im "oberen" und "unteren" Schulhaus unterrichtet (Bild oben, zum Vergrößern klicken). Zu Beginn der 60er wurde westlich vom Friedhof ein neues Schulgebäude errichtet, ausgelegt für Unter- und Oberstufe der Volksschule mit einer komplett eingerichteten, mehrzeiligen Schulküche und einem großen Werkraum. Einweihung war am 25. September 1965 (Bild unten, zum Vergrößern klicken).

Ab dem Schuljahr 1970/71 wurde durch die Rechtsverordnung der Volksschulreform trotz heftigen Widerstandes der Gemeindeverwaltung und der Elternschaft die Oberstufe der Volksschule Straßkirchen aufgelöst. Die Schüler der Schülerjahrgänge fünf bis neun müssen nun die Volksschule in Salzweg besuchen. Straßkirchen, das 1910 die Salzweger Schüler ungern ziehen sah, muss nun seine Hauptschüler schweren Herzens an die Volksschule Salzweg schicken. Straßkirchen bleibt aber selbständige Grundschule.

(aus: Heimatbuch Salzweg - Straßkirchen, Natur - Geschichte - Kultur, Schulgeschichte von Straßkirchen, Autorin: Katharina Rosenberger)

 

Herr Paul Köllnberger erinnert sich:

 

Auf da Schei`m  

 

 In jener Zeit nach dem „Umsturz“, als es noch Fünferl- und Zehnerlscheine gab, die Salzweger bis Straßkirchen zum Beichten mussten, wir Schulkinder mit brauner Tinte schrieben, als in der Gemeinde lediglich vier Personenautos (Opel Olympia, Mercedes, Ford Taunus, DKW) und zwei Bulldogs (Lanz, Kramer) fuhren, als vom Gasthaus und Metzgerei Braun her noch der Donner der alten Kegelbahn durchs Dorf rollte und für die zwei Wirtshäuser das Eis allwinterlich aus dem Bräuweiher gesägt wurde, in jener Zeit erlebten wir Kinder diesen südlichen Platz als die Herzmitte unseres Seins.

Hier wies uns der Werner Z. in die Feinheiten des Fußballspiel ein, denn er hatte als einziger, im Gegensatz zu uns, die wir uns mit einer „Saubladern“ begnügen mussten , einen Lederball. Auf der Schei`m lernten wir das Radfahren, akrobatisch unter der Stange des Herrenrades (Kinderräder gab es nicht) durch, wie die Steilwandfahrer in der Maidult. Eingerahmt vom Gut Scheuring, Kriegerdenkmal, Schulhaus und dem Kolonialwarengeschäft Zaglauer, floss in dieser Ortsmitte der Lebensstrom der ganzen Gemeinde zusammen: Dort begrüßten die Kinder den Pfarrer Hinterleitner, wenn er zum Brevierbeten ging, indem sie artig auf ihn zuliefen und ihm die Hand gaben; so war es Brauch. Hier sah man den Pater Ignatius - der einmal einem dahinträumenden Schüler, der in die schulische Abortgrube gefallen war, das Leben rettete - mit wallender Soutane zu einem Versehgang eilen. Über die Scheibe musste das gestrenge Fräulein Pongratz - das von seinen Schülern noch „Hand auf die Bank“ forderte- wenn es sich die Milch vom Gut heimtrug. Dort tratzten wir Kinder die etwas verwirrte Kurzen-Zenz, wenn sie mit ihrem Hochzeitsbild in Richtung Gutsküche schlapfte und das Staunen über jenes fesche jugendliche Brautpaar hervorrief.

 Über die Scheibe wurden die Täuflinge getragen und die Verstorbenen auf ihrem letzten Weg begleitet. Bei Hochzeiten war die Schei`m wie der Eintritt in einen Prunksaal und wir Kinder ließen uns dabei das „Vorziag`n“ nicht entgehen. Da spannten oft ein Dutzend Paare ihre mehr oder minder geschmückten Schnüre, damit sich die Festgesellschaft den Durchlass erkaufte. Wenn dann die Hochzeitsgäste die Fünferl, Zehnerl bisweilen aber auch ein Fuchzigerl in den Sand warfen, anstatt sie uns in die Hand zu legen, hatten sie ihren besonderen Spaß, wenn wir uns um die Münzen balgten.

Über die Scheibe hasteten die Ministranten, wenn sie sich aus der Gutsküche eine Glut für das Rauchfassl erbaten; musste der Mesner, wenn er zum abendlichen Angelus ging, und auf den wir Kinder schon warteten, weil wir uns dann beim Läuten am Glockenstrick emporziehen lassen durften. Dieser zentrale Kirchplatz sah den Einzug der neuen Glocken, begleitet von einem bunt geschmückten Wagen- und Radkorso, in Prunk und Feierlichkeit. Für uns Kinder nicht minder beeindruckend die Einweihung des Kriegerdenkmals mit klingendem Spiel, Fahnen und Böllerhall und der Festrede des Dr. Ritter von Scheuring in Frack und Zylinder.

 

Über diesen einmaligen Dorfplatz transportierten die Häuslerinnen mit der „Radltragn“ ihre schweren Brotlaibe, fein säuberlich mit einem weiß-blau karierten Tuch bedeckt, zur Bäckerei Steininger, von wo auch die „Bäckerseier“ herstammte, die meist von den Schulkindern in einem Emailhaferl heimgetragen wurde. Über diesen autofreien Platz jagte höchstens einmal ein schneidiger Jungbauer aus Stolzesberg, im Krieg Fallschirmjäger, damals Feuerwehrkommandant, mit seiner 250er BMW, die Stufen neben dem Kriegerdenkmal hinabspringend, wenn es ihm besonders pressierte. Den gleichen hohen Grad der Bewunderung genoss auch jener junge Bursche in amerikanischer Uniform , ebenfalls aus Stolzesberg, der in Diensten der US-Army mit dem Jeep das Hindernis nahm. 

Die Schei´m war der Pausenplatz für uns Schulkinder, und wenn es der allmächtige Hauptlehrer Strauß im weißen Mantel erlaubte, am hölzernen Brunnen des Zaglauerhauses unseren Durst zu löschen, „zwiagazte“ der Schwengel des eisernen Pumpwerks seine rostige Melodie. Im Winter war die Schei`m die Eisfläche zum „Schliefazn“ und wer „Behmschua“ hatte –handgeschnitzt von einem Meister seines Faches, dem Ludwig G. aus Schlott - an der Unterseite mit zwei Regenschirmspangl als Kufen, war weitenmäßig schon unschlagbar.
 
Über die Schei´m mussten wir beim „Packltrag`n“, jener bevorzugten Beschäftigung, besonders an den Winterabenden, die uns das Draußensein auch nach dem Gebetläuten noch erlaubte und andererseits die postalische Versorgung erheblich beschleunigte. War es doch so, dass die Pakete - und in der autoarmen Zeit der frühen 50er-Jahre war das eine beträchtliche Menge- die mit dem Postauto gegen halb 6 Uhr abends von Passau kamen, von der Haltestelle an der B12 zur Post beim Zaglauer getragen werden mussten. Oft halfen dabei auch die Kinder aus den umliegenden Ortschaften, weil sie anschließend das ersehnte Packerl – und nicht selten war eines aus Amerika dabei – gleich mit heim nehmen durften.
 

Ja, die geschichtliche Dimension der Scheibe wurde für uns Kinder der Nachkriegszeit zum bleibenden Erlebnis. Da saßen wir unten auf der Treppe zwischen Gutshaus und Gärtnerei und spielten „Autoraten“. Wer erwartete das hochwertigste Fahrzeug? War es vielleicht die 350er-Horex vom Hurnaus Hans, die daherbrauste oder der Borgward eines Bauunternehmers aus Bärnbach? Wir kannten sie schon am Klang der Motoren! Kam nach mehr minütigem Abstand vielleicht eine schwere Faun-Zugmaschine oder gar der „Waldkirchner“ (Omnibus) oder ein dampfender Holzgaser von „Leizinger und Kadlez“? Alles war jedoch nichts gegen einen Militärkonvoi der Amerikaner: Schnell standen wir in einer Linie längs der Straße und winkten. Und wenn dann die Soldaten Kaugummi, Schokolade oder Keks` herauswarfen, zeigten wir diese Kostbarkeiten stolz den Eltern.

Die Schei´m, dieser adelige Platz, der seinesgleichen diesseits der Donau sucht, war der Ort längst vergessener Spiele wie „Tore köpfen“, „Schussern“, „Pfennigwerfen“ oder „Kastlhupfa“, ein Dorfplatz, auf dem sich alles abspielte, was das Kinderleben erfreute. Und wenn es regnete, wurden die Wasserpfützen unsere Ozeane und die Sturzbäche aus den Dachrinnen die Ströme, auf denen unsere Papierschiffchen in die Phantasieländer segelten. Nur ein kostbares Kleinod blieb dem Außenstehenden stets verborgen: dieses symbolhafte Hinterglasbild nach Albrecht Dürer „Der Heilige Eustachius“ im ehemaligen Jagdzimmer des Gutshauses, dessen Geheimnis erst aus der Sicht von innen erahnt werden konnte und das sich dem Betrachter auf der falschen Seite in quasi-philosophischer Sicht immer verschloss. 

Am frühen Sonntagnachmittag war die ruhigste Zeit. Da torkelte höchstens ein verspäteter Kirchgänger in seinem schwarzen Sonntagsanzug, den Hut in den Nacken geschoben, vom nachkirchlichen Frühschoppen Richtung Seiersdorf. Der Mittagsschlaf hatte sich über den Platz gelegt, nur die Erdbienen längs des Gutshauses verrichteten unermüdlich ihre Arbeit. Doch spätestens wenn die Glocke zur Nachmittagsandacht rief, setzte der Pulsschlag wieder ein.
 
Pauli Köllnberger